Im Juni ’25 hab ich duch Zufall mal wieder ein schönes, altes Fischertechnik Industriemodell von der Fa. Staudinger gesehen.
NATÜRLICH musste ich das haben – nicht nur, dass es selten ist, sondern ich habe einfach Spaß daran dem alten Zeugs Leben einzuhauchen 🤗
Das Problem bei dem Angebot auf Ebay Kleinanzeigen war nur, dass der Verkäufer es erst nicht verschicken wollte.
Nach langen HIN und HER hat er zugestimmt – als eigentlich schon alles unter Dach und Fach war ist er wieder abgesprungen. 🙄
Es könne ja keine Garantie dafür geben, dass auf dem Transport nichts kaputt gehen würde und Bla und Blub.
Ich hatte schon so halb einen „Taxi“- Transport organisiert, da hat er es sich auf einmal wieder anders überlegt und würde es nun DOCH verschicken 🤦♂️
Egal. Lange Rede, kurzer Sinn…
… am 24. Juni war das Ding jedenfalls wohlbehütet – etwas verstaubt – angekommen 😊

Es handelt sich um folgfendes Modell aus dem Staudinger Katalog von Anfang der 90er Jahre

ok, das ganze schaut etwas anders aus – speziell die Relaisplatinen, die ich vorher noch nie gesehen habe – dazu später mehr.

Der ganze Kram ruhte dann erstmal eine Zeit lang bis der Termin zur nächsten Retrocomputer Veranstaltung im Hein Nixdorf Computermuseum – kurz HNF – immer näher rückte wo ich das Modell neben diversen Siemens S5 Programmiergeräten gerne ausstellen wollte.
So beschäftigte ich mich erst am 20. September 2025 wieder näher mit dem Modell. Ich hab gedacht es sei ja noch massig Zeit bis zum 11. Oktober 2025, das schaffste locker, so viel ists diesmal ja nicht…
…weit gefehlt 🙈
Nachdem der gröbere Dreck mit Druckluft weggeblasen wurde ging es endlich an die Materie 🤗
Da ich aus Vergangenheit weiß, dass es mit den alten Zahnstangengetrieben oft Probleme gibt, hab ich das als erstes geprüft.
Natürlich auch hier: An einer Stelle hakt es ☹️
Die Zeit, zu versuchen aus mehreren Zahnstangengetrieben ein FUNKTIONIERENDES zu machen, hätte ich mir auch sparen können 🙄
Irgendwann hab ich eins von den letzten gebrauchten , funktionierenden geopfert, wovon ich mir mal welche besorgt hatte – das hatte aber plötzlich an anderer Stelle seine Probleme. Es schob sich nach kurzer Zeit von der Antriebsachse des Motors weg nach oben.
Irgendwas ist halt immer, dann halte NEUE bestellen ! Die gibts halt leider nicht mehr in dem FT-Klassik grau – das war mir dann mittlerweile auch egal !


Nachdem die mechanischen Probleme beseitigt waren fing ich an mich mit der Verkabelung und der elektrischen Ansteuerung zu beschäftigen.
Um eine Steuerung anschließen zu können verfügt das Modell über einen 37 pol. Sub-D Stecker. Belegung unbekannt !
Damals gab es halt noch kein Arduino, oder spezielle Fischertechnik Controller wie TXT und Calliope, dazu war dieses Modell extra dafür ausgelegt Industriesteuerungen (speicherprogrammierbare Steuerungen – kurz SPS) verschiedener Hertsteller für Schulungszwecke auf diesem Gebiet anschließen zu können.
Es wurde geschaut, gemessen und rumgekrickelt….


…und schon bald war das erste Lebenszeichen da 😀

Nachdem die Belegung der Eingänge (Sschalter und Lichtschranken) klar war begann ich mich um die Verkabelung und Ansteuerung der Relais für die Motore zu kümmern.

Viele der Steckverbinder waren lose und mussten erst mit einer Zange bearbeitet werden.

Leider stellte sich schnell heraus, dass das Relais rechts unten defekt war und somit die Schubstange nur in eine Richtung hätte fahren können.
Die Ansteuerung der beiden Motoren funktioniert folgendermaßen:
Mit einem Signal wird das Relais oben links amgesteuert welches den Exzentermotor einschaltet,
mit zwei weiteren Signalen wird jeweils das Relais oben rechts, bzw. unten rechts angesteuert um die Schubstange vor oder zurück fahren zu lassen.
Das vierte Relais hat keine Funktion.
Ursprünglich wollte ich das defekte Relais austauschen, aber dafür auf die schnelle Ersatz zu finden war garnicht so einfach. Außerdem ließ sich die Platine vom Kunststoffunterbau auch nicht einfach so entfernen, ohne dass über die Jahre spröde gewordene Kunststoff zu beschädigen.
Um die Strippen, die zum unteren rechten Relais hingegen, einfach nach links unten umzustöpseln, waren diese zu kurz ☹️
Das einfachste war nun einfach die beiden Relaisblöcke gegeneinander zu tauschen, so dass das defekte Relais nun links unten sass.
Gesagt, getan – beim vorsichtig auseinanderziehen ist mir auch nur eine klitze kleine Ecke kaputt gegangen.
Zum Glück ist nicht mehr kaputt gegangen – ich hätte mich geärgert. Diese Relaiskarten scheinen extrem selten zu sein – wie schon oben erwähnt, ich hab die vorher noch nie gesehen.


Die Verkabelung und Ansteuerung der Sensoren und Aktokren war nun in trockenen Tüchern, so fing ich an eine alte Siemens S5 SPS an das Modell anzuschließen.
Die SPS verfügt über 10 Eingänge und 6 Ausgänge was für das Modell gerade so ausreichend ist 😊



Zwischendurch kam immer mal wieder die Frage auf, WAS und WIE ich denn machen könnte, dass das Modell sich nicht nur einfach bewegt – es muss irgendetwas cooles passieren !
Man müsste irgendetwas ins „Magazin“ stecken was hinten am Modell wieder raus kommt !
Irgendwelche dünnen Fischertechnikteile 🤔, Plätzchen 🤔🤔
Ritter Sport Mini Schokolade 🤔🤔🤔
…es passte alles von den Abmaßen nicht. Zu dick, zu lang, zu breit…
…nach längerer Suche bin ich dann über dünne Schoko Madlen gestolpert 😊 Bei den Dingern wurden Maßen von 40x40mm angegeben. Perfekt ! Mein „Magazin“ ist ein paar Milimeter breiter.
Und was mal so richtig geil ist: Man kann sich die Verpackungen bedrucken lassen 🤗

Es gab nur ein kleines Problem: Man MUSSTE einen Text angeben.
Zum Glück bin ich nicht ganz doof – nach etwas längeren hin und her hab ich einfach ein paar weiße Striche in einen freien Bereich der Grafik gesetzt 😉
Ich wählte den Expressversand, so dass die Dinger auf jeden Fall vor der Veranstaltung eintrudeln sollten.
Was jetzt noch fehlte war ein Interface um die Lichtschranken an der Steuerung anzuschließen, da diese über keine analogen Eingänge verfügt.
An dem lichtempfindlichen Widerstand der Lichtschranken fällt je nach Lichteinfall entsprechend eine Spannung ab, die in ein digitales Signal 0V bzw. 24V für die SPS gewandelt werden muss.
Ich entschloss mich ein Interface mit einem Atmel Mikrocontroller aufzubauen, da aktuell nur zwei Operationsverstärker greifbar waren.



Der Aufbau dauerte ca. 4 Std, die Programmierung nicht ganz so lange.
Unterm Strich wertvolle, verlorene Zeit, da der Termin immer näher rückte, und ich für die Fehlersuche nochmal einen ganzen Abend geopfert habe. Das Interface machte nicht was ich wollte – warum wusste ich nicht 🤷♂️

Ich zog dann die Reißleine, hab das Interface in die Tonne getreten, um in Rekordzeit was neues zusammenzubraten.
Es tauchte glücklicherweise noch ein dritter Operationsvertärker IC auf.
Hier das Ergebnis – was erstaunlicherweise ohne Probleme auf Anhieb funktionierte, zumindest nachdem ich hellere Lampen für die Lichtschranken eingesetzt habe:


so weit, so gut…
…endlich konnte ich anfangen zu progreammieren 😊


Das Grundprogramm ohne Lichtschrankenabfrage – so wie ich mir das ganze vorgestellt hatte – war dann sogar relativ schnell fertig:
Zufällig war ich den Samstag vor dem Wochenende der Veranstaltung zu Hause als es an der Tür klingelte – die Schokolade war überraschenderweise schon da 🙃

Das passte sehr gut, da ich den ganzen Tag Zeit hatte das Modell entprechend anzupassen, um meine Idee umzusetzen.
Wenn die Schachtel erst in der Woche geliefert worden wäre wie angegeben, hätte ich – wie sich später herausstellen sollte – das ganze Projekt vor dem HNF Wochenende nicht fertig bekommen.
Oh !
Die Dinger sind ja doch ganz schön groß ! Schaut größer aus als 40 x 40 !
Jetzt kam der spannende Moment. Passen die Madlen ins „Magazin“ oder nicht ?!
Sollte das Projekt auf den letzten Metern jetzt scheitern ?
Durch die Verpackung und Banderole war alles irgendwie breiter.
Es passte exakt wie dafüer gemacht !! Zumindest mit der Bandarole in Laufrichtung 😊
Ich fimg nun an das Modell passend umzubauen.
Da die Madlen ja nun ziemlich dünn sind musste ich mir etwas einfallen lassen, das der Schieber mit einer Höhe von 13mm nicht zwei von den Dingern gleichzeitig aus dem Magazin beförderte.

Ich hatte dann verschiedene Versuche unternommen um die Position der Madlen in der gesamten Konstruktion des Models zu erhöhen, wobei bei eine maximale Höhe von 14mm nicht überschritten werden durfte, da die Schokolade sich beim Transport im Modell dann festgefahren hätte.
Der erste konstruktive Versuch erfolgte mit 30mm Verbinder Bausteinen und zusätzlich aufgesteckten Klemmbuchsen . Das ganze war mit den Buchsen allerdings zu filigran, und die Höhe reichte auch nicht aus um ein Festfahren des Schiebers im Modell sicher zu vermeiden. ☹️
Außerdem gingen die Verbinder sehr schwer auf die Alu-Profilschiene zu schieben und es war quasi unmöglich mehrere von den Teilen über das gesamte Profilschiene zu montieren.


Es war dann ein großer Spaß die Verbinder von dem Alu – Profil wieder runterzubekommen, ohne alles komplett zu zerstören. Damit beim schieben, bzw. gegendrücken mein Daumen nicht komplett platt gedrückt wurde musste ich einen Baustein quer anbringen um mehr Kraft ausüben zu können, in der Hoffnung, dass die gegenüberliegende Haltenase von der Profilschiene nicht abriss.

Bei dieser Aktion verschoben sich die Schienen und ich musste alles, incl. der Nocken für die Endschalter neu ausrichten.

DAS passiert dann wenn man nicht aufpasst und mit dem Cutter-Messer eigentlich nur wenige Millimeter der grauen Kunststoffstange abschneiden will um die Nocke für den einen Endtaster etwas zu verschieben 😖
Ich hab den Haltezapfen mit abgeschnitten 🙄

eigentlich wollte ich nur den schwarzen „Stöpsel“ mit der abgeschnittenen Haltenase austauschen, da die 15mm Verbinder (Nocken) sich auf dem Profil prima verschieben ließen, aber bei einem passenden Ersatzprofil wollte das Ding sich nicht entfernen lassen 😐

Zum Glück hatte ich irgendwann mal günstig ein paar Alu-Profile gekauft.
Es waren sogar welche mit der passenden Länge dabei, aber bei den meisten ließen sich die Verbibnder nur sehr schwer, bis garnicht in die Nut schieben und noch weniger wieder entfernen.


Beim dritten, oder vierten Profil klappte es dann 😊
Der nächste Versuch die Madlen höher zu plazieren war tatsächlich ein Erfolg 😀
Mit S-Riegeln 8, die ich links und rechts fast über die gesamten ALU-Profile verteilt hatte kam ich auf die passende Höhe 🙃
Lediglich bei der Ausgabe habe ich den Baustein 5 mit der glatten Fläche gewählt, dass die Madlen auf den letzten Zentimeter schön gleitend herausgefahren werden.
Die Lichtschranken rakten für eine freie Fahrt der Schokoplätzchen zu weit ins Geschehen, sodass diese auch noch versetzt werden mussten.


Ein MEILENSTEIN !!
Die erste Madlen fuhr ohne irgendwo anzuecken, oder sich zu verkanten durch das Modell 🤗
Jetzt gab es nur noch ein einziges „kleines“ Problem:
Die Lichtschranke für das Magazin, welche schaut ob es noch mit Madlen gefüllt ist, konnte ich wie die anderen Lichtschranken bautechnisch nicht ein paar Millimeter nach oben schieben.
Die Lichtschranke guckte unter den Madlen drunter her und erfasste diese nicht.
Ich hab dann die Störlichtkappe etwas bearbeitet, dass nur im oberen Bereich Licht auf den darunter liegenden lichtempfindlichen Widerstand treffen konnte.

Es funktionierte 😀
Nachdem nun endlich die Hardware fertig war begamm ich mit dem Feinschliff der Software.
Da der Schieber ein Knackpunkt blieb hab ich Laufzeitüberwachungen ins Programm eingebunden, damit der Motor für das Zahnstangengetriebe sich bei einem Crash nicht kaputt fährt.
Außerdem habe ich nun die Lichtschranken mit berücksichtigt.
Was soll der Schieber z.B. vor fahren wenn das Magazin leer ist – zumindest wenn die Madlen noch nicht alle waren ?
Für den Fall dass diese halt irgendwann alle waren konnte ich das Modell mit der Belegung eines Eingangs an der Steuerung auch „trocken“ fahren lassen – das heißt die Lichtschranken werden in der Ablaufsteuerung nicht berücksichtigt.



Am Mittwoch abend vor dem Wochenende des Retro Computer Festivals im Heinz Nixdorf Computer Museum war dann ENDLICH alles fertig 😊
Ziemlich enge Kiste und viel Streß🙄
Der Aufwand hat sich aber mehr als gelohnt, das Publikum war größtenteils sehr interessiert und dic Madlen waren ruckzuck alle 😊
Zum Schluß ein Link zum Video der Schokoladenfabrik vor Ort im Einsatz und eine Zusammenstellung meiner Eindrücke der Veranstaltung in Filmform: